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Friede und Einmütigkeit, koste es, was es wolle

oder

Die Killerphrasen der Christenheit

oder

Das Versagen der Besonnenen

Christoph Leinweber, 25.07.2022

"Nach dem Spiel ist vor dem Spiel!" lautet eine der überlieferten Fußball-Weisheiten Sepp Herbergers, des Architekten des sogenannten Wunders von Bern.

 

Nach der Krise ist vor der Krise! könnte man den Klappentext meines Buches Fachkräftemangel im Christentum sinngemäß übersetzen. Darin sage ich voraus, dass nach Corona die nächste Herausforderung auf die Christenheit wartet, und mahne an, dass sich darauf vorbereitet werden muss, indem erarbeitet wird, wie wir uns positionieren, wenn beispielsweise der Staat einmal wirklich übergriffig wird – also das tut, was ihm von den einschlägig bekannten Coronaleugnern während der Pandemie bereits lautstark und aggressiv vorgeworfen wurde – oder irgendjemand noch Schlimmeres anstellt.

 

Bei dieser Vorhersage – die angesichts der deutlichen biblischen Aussagen zur Endzeit nicht unbedingt eine gewaltige prophetische Leistung darstellte – war ich davon ausgegangen, dass wir nach Corona eine kleine Atempause bekommen würden, um durchzuatmen und uns auf das nächste Problem vorzubereiten. Ich hatte jedoch nicht damit gerechnet, dass die Krisen fließend ineinander übergehen, so wie es jetzt mit Corona und dem Völkermord in der Ukraine tatsächlich eingetreten ist.

 

Somit war es auch der durch Corona so aufgewühlten und teilweise gespaltenen Christenheit gar nicht möglich, die durch die Pandemie aufgedeckten Defizite hinsichtlich des Umgangs untereinander, gegenüber der Obrigkeit sowie dem jeweils Nächsten dahingehend aufzuarbeiten, dass man eine gemeinsame Basis für die nächste Herausforderung hätte herstellen können.

 

Und siehe da, genau wie erwartet präsentiert sich die Christenheit auch bezüglich der Einschätzung des Ukrainekrieges erneut uneinheitlich und zerstritten. Dies ist umso fataler, als die richtige Beurteilung der Barbarei des russischen Einfalls im Nachbarland noch klarer auf der Hand liegt als die der Coronakrise.

 

Und wenig überraschend sind es wiederum die aggressivsten vorherigen Coronaleugner und –verharmloser, die sich nun ein weiteres Mal negativ hervortun, indem sie das russische Vorgehen in der Ukraine relativieren oder dem überfallenen Volk und – natürlich – dem Westen, insbesondere den USA, eine erhebliche Mitschuld zusprechen.

 

Genau das tut beispielsweise Jakob Tscharntke, spätestens seit der Flüchtlingskrise 2015 und noch mehr seit Corona einer der übelsten Hetzprediger der Republik inklusive AfD-Nähe:

 

https://youtu.be/hGOB8oCYGmw

 

Was davon zu halten ist, kann man sehr leicht herausarbeiten:

 

Ob und in welchem Umfang die Ukraine, also der Staat, die Regierung, die Obrigkeit, tatsächlich die prorussischen Minderheiten im Osten unterdrückt hat, ist – vorsichtig ausgedrückt – umstritten. Ebenso die Frage, ob die vermeintlichen Übergriffe eine direkte Folge der kurz vorher stattgefunden Annexion der Krim durch Russland waren. Oder inwieweit man die damalige Regierung mit der heutigen vergleichen kann. Fakt ist schließlich, dass in den letzten Jahren von ähnlichen Übergriffen nichts bekannt geworden ist.

 

Ich denke, es gibt hier Parallelen zur Situation um Israel, das seit Jahrzehnten Ziel ungerechtfertigter Angriffe seiner Nachbarn, selbst aber ebenfalls nicht schuldlos ist. Menschen sind eben Sünder – und zwar alle, Täter wie Opfer, Russen wie Ukrainer, Israelis wie Palästinenser. In der Geschichte der Menschheit hat es lediglich ein einziges völlig unschuldiges Opferlamm gegeben, nämlich Jesus Christus.

 

Im Hinblick auf die Ukraine ist es sogar so, dass die Probleme, die dort in den vergangenen Jahren offenkundig geworden sind – in erster Linie Korruption auf allen Ebenen –, obendrein auch noch auf ihre Vergangenheit in ausgerechnet dem System zurückzuführen ist, von dem sie nun angegriffen wird.

 

Es gibt jedoch einen Aspekt, der für die Beurteilung des Ukrainekriegs entscheidend ist. Denn das Vergewaltigen, Foltern und Abschlachten von Zivilisten, Alten, Frauen und Kindern, wie es derzeit nachweislich tausendfach durch die russischen Besatzer geschieht, wäre selbst dann ein entsetzlicher Akt der Barbarei, wenn man im Sinne von Auge um Auge, Zahn um Zahn zugrunde legte, dass exakt dieselben Gräueltaten zuvor von ukrainischer Seite begangen worden wären!

 

Das heißt, egal was dem Ganzen vorausgegangen sein mag, nichts kann das Vorgehen der Russen in der Ukraine in irgendeiner Form rechtfertigen.

 

Dasselbe gilt für die von irregeleiteten Menschen wie Sahra Wagenknecht gebetsmühlenartig vorgetragenen Anschuldigungen gegenüber dem Westen, der Nato und den USA. Besagte Dame sollte einmal darüber nachdenken, wie es wohl kommt, dass die Länder mit der höchsten Lebensqualität weltweit ausgerechnet die des ach so verdammungswürdigen kapitalistischen und dekadenten Westens sind, was auch die weltweiten Flüchtlingsströme oder eben auch die allermeisten Menschen in der Ukraine und der Mehrheit der früheren Sowjetstaaten so sehen. Und gerade eine Person, die derart von diesem westlichen System profitiert wie Wagenknecht, sollte vielleicht besser ein wenig Zurückhaltung üben. Denn wie würde sie wohl in Russland ihre eleganten Kostüme finanzieren, ohne mit einem finanziell potenten Oligarchen Tisch und Bett zu teilen, und wie lange könnte sie wohl dort öffentlich abstruse, regierungskritische Äußerungen absondern, so wie sie es hierzulande seit Jahr und Tag ungestraft tut?

 

Nun kann man besonders aus christlicher Sicht die starke Konsumorientierung des Westens sowie die damit verbundenen Nachteile – Dekadenz, mangelnde Bildungsorientierung, Ellbogenmentalität, Egoismus und nicht zuletzt die zunehmende Gott- und Orientierungslosigkeit etc. – ablehnen. Aber erstens ist es schlichtweg so, dass in den autokratisch regierten Ländern der Erde diesbezüglich faktisch nichts besser ist, und zweitens, dass die Menschen dieses westliche System offensichtlich ganz einfach mehrheitlich wollen.

 

Damit nähern wir uns langsam, aber stetig dem eigentlichen Thema dieses Artikels.

 

Roger Liebi hat vor einigen Monaten vorhergesagt, dass diejenigen, die angesichts der Corona-Pandemie in Deutschland respektive den westlichen Demokratien sogenannte totalitäre Tendenzen zu erkennen glauben, in ein Loch fallen würden, wenn die Schutzmaßnahmen fallen.

 

Damit hat er den Nagel auf den Kopf getroffen. Wer die Auseinandersetzung mit der Pandemie aufmerksam verfolgt hat, konnte feststellen, dass die Demokratie zu jeder Zeit funktioniert – und durch die damit verbundene Uneinigkeit der jeweiligen Parteien sowie den Föderalismus viele Menschenleben gekostet hat. Ebenso ist die jüngste Bundestagswahl durch das Verhalten der vorherigen Regierung sowie die Haltung der Oppositionsparteien wie insbesondere der FDP zur Pandemie entscheidend beeinflusst worden. Und aktuell sehen wir am Beispiel Russland in beeindruckender Weise, was Totalitarismus wirklich ist: bis zu fünfzehn Jahre Haft für diejenigen, die die militärische Sonderoperation in der Ukraine als Krieg bezeichnen. Da stellt man sich die Frage, was wohl in Russland mit Leuten passiert wäre, die sich von der Kanzel herunter gegenüber der Obrigkeit geäußert haben wie Tscharntke oder Wolfgang Nestvogel, die Kanzlerin so abfällig parodiert haben wie Matze Koch oder auf Demonstrationen in Berlin in Kameras geblökt haben, man habe hier Zustände wie in Nordkorea.

 

Ich halte es übrigens überhaupt nicht für einen Zufall, dass uns noch während der Corona-Pandemie so eindrucksvoll vor Augen geführt wird, wie weit wir von jeglicher Form des Totalitarismus entfernt sind und wie gut wir es in Deutschland immer noch haben!

 

Gleichzeitig wird deutlich, dass von dem vielbeschworenen Great Reset, den auch Nestvogel unheilvoll an die Wand gemalt hat, indem er in seinem unappetitlichen Vortrag Weltherrschaft als neue Weltordnung – The Great Reset den Autor des entsprechenden Buches, Klaus Schwab, kübelweise mit Dreck bewarf, rein gar nichts zu erkennen ist. Das exakte Gegenteil ist der Fall, im Windschatten des Ukrainekrieges versucht so gut wie jede Branche, die während Corona erlittenen Einkommensverluste wettzumachen, koste es, was es wolle. Das hat weder mit den Hoffnungen, die Klaus Schwab in seinem Buch formuliert, etwas zu tun, noch mit dem, was die Verschwörungstheoretiker ihm in ihrer Ahnungslosigkeit unterstellt haben.

 

Quelle: https://youtu.be/nGw4JfwmoEM

 

In dieselbe Stoßrichtung passt auch, dass ausgerechnet die Politikerin, der man andichtete, den Great-Reset-Verschwörern nahezustehen, bisher wohl den mit Abstand besten Job aller von der Ampel macht, nämlich Annalena Baerbock. Natürlich sind Reden und Tun gerade in der Politik oftmals zweierlei, aber wir wissen auch, wie schwer in der weltweiten Diplomatie jedes einzelne Wort wiegt. Und die Klarheit, mit der sich Baerbock vor allem gegenüber Putin positioniert, ist schlicht wohltuend und sucht in der bundesdeutschen Vergangenheit ihresgleichen.

 

Und dann gibt es ja noch diejenigen Christen, die der Politik und den Medien unterstellen, diese seien, weil säkular und per se ungläubig, prinzipiell vom Teufel geleitet und deshalb nicht vertrauenswürdig.

 

Nun, wenn ich mir anschaue, wie sich ein gar nicht so kleiner Teil der wackeren Frommen zu der Coronakrise oder jetzt zu Putin positioniert, dann muss ich mich ernsthaft fragen, in welchem falschen Film ich wohl gelandet bin:

 

- Total einseitig informiert, ungeprüft Falschinformationen noch und nöcher weitergeleitet.

- In Verhalten (Abstand, Maske, Versammeln, Singen etc.) an den Aussagen einer verschwindenden Minderheit orientiert, obwohl es um Leben und Tod für mich oder meinen Nächsten geht.

- In Reden und Tun gegen die Obrigkeit gewandt, die ausdrücklich den Lebensschutz zuvorderst gestellt hat.

 

Dabei habe ich mich immer gewundert, warum die teilweise angeblich so hochintelligenten – dazu später mehr – Widerständler wie Nestvogel nie auf die Idee gekommen sind, dem Staat ähnlich wie die DFL für den Profifußball zu sagen:

 

’Hey, wir sehen ein, dass es Handlungsbedarf gegen Corona gibt. Für uns ist es aber gewissermaßen lebensnotwendig, uns als Christen zu versammeln und Gemeinschaft zu pflegen, darauf können wir nicht verzichten. Wir wollen niemanden aus unseren Gottesdiensten ausschließen, werden aber alles tun, damit sich das Virus bei uns nicht verbreiten kann.’

 

Eine solche Vorgehensweise wurde von den Lautsprechern der Coronaleugnung zu keiner Zeit auch nur angedeutet; stattdessen wurde unter Berufung auf sogenannte alternative Experten, die längst der Falschaussage oder bestenfalls der Ahnungslosigkeit überführt waren, das Virus und seine Gefährlichkeit konsequent verharmlost und heruntergespielt, unsinnigerweise auf das Grundgesetz verwiesen und – der Gipfel der Heuchelei – immer wieder betont, dass die Gottesdienstbesucher ja allesamt freiwillig kommen.

 

- Eine Impfung, die mein Leben und das meines Nächsten retten soll und kann, verweigert.

- Verständnis für den Völkermord durch einen Despoten gezeigt, weil angeblich die Opfer mehr oder weniger selbst schuld sind.

 

Erbärmlich.

 

Aber sind all diese Erkenntnisse, die uns mittlerweile vorliegen und die insbesondere in Bezug auf Corona ganz nebenbei das Lager der Vorsichtigen von vorne bis hinten bestätigt haben, auch bei jenen angekommen, die Roger Liebi meinte, den Nestvogels, Tscharntkes oder Kochs?

 

Nein!

 

Von keinem habe ich auch nur ein einziges Wort der Distanzierung gegenüber ihren vorherigen, unwahren und verleumderischen Aussagen zur Corona-Pandemie oder gegenüber der Obrigkeit gelesen oder gehört.

 

Das Gegenteil ist der Fall. Schaut man sich Nestvogels Homepage an, findet man derzeit als ersten Verweis seinen Vortrag auf der sogenannten Hirtenkonferenz mit dem Titel Kurs halten – gegen den Druck.

 

Und was der Titel verspricht, das hält Nestvogel. Kostprobe gefällig (ab etwa Minute vier)?

 

"Und dann brach jene Krise aus, die mit dem Begriff Corona verbunden ist und von der wir mit jedem weiteren Monat, der verstrich, umso deutlicher erkennen mussten, dass die eigentliche Krise für das Ganze der Gesellschaft, unabhängig von den tragischen Notfällen, die es IM EINZELNEN immer gab, aber dass die eigentliche Krise für das Ganze der Gesellschaft eben nicht im medizinischen Bereich liegt, was die Sterblichkeitsquote betrifft, was die Auslastung der Krankenhäuser angeht und all diese harten Punkte. Nein, dass wir plötzlich, und das war die Krise, mit einer gesellschaftlichen Dynamik konfrontiert waren, die fundamentale Freiheitsrechte für verhandelbar hielt und, liebe Brüder, immer noch hält."

 

Quelle: https://youtu.be/Q-qMCbUq4W0

 

Ich will gar nicht mehr ausführlich auf die Fakten eingehen, das habe ich in meinem Buch bereits zur Genüge getan.

 

Dass die Coronaleugner ihr dümmliches Narrativ von der nicht erfolgten Überlastung der Krankenhäuser immer noch wie eine Monstranz vor sich hertragen und dabei geflissentlich unter den Tisch fallen lassen, dass besagte Überlastung eben durch die Schutzmaßnahmen verhindert worden ist? Geschenkt.

 

Dass die angeblich fundamentalen Freiheitsrechte – die auch ohne Infektionsschutzgesetz schon immer mit der Einschränkung solange es nicht die Freiheit meines Nächsten tangiert! versehen waren, was in einer zivilisierten Gesellschaft ohnehin selbstverständlich ist – selbst nach Auslaufen sämtlicher Maßnahmen angeblich immer noch verhandelbar, sprich gefährdet, seien? Geschenkt.

 

Aber angesichts von, Stand 11.07.2022, knapp 142.000 an Covid Verstorbenen in Deutschland und mehr als sechs Millionen plus erheblicher Dunkelziffer weltweit – und wohlgemerkt sind diese (fürchterlichen!) Zahlen auch noch das erfreuliche Resultat der Schutzmaßnahmen, die Millionen Menschenleben gerettet haben! – sowie den immer deutlicher und zahlreicher zutage tretenden Long- und Post-Covid-Fällen von tragischen Einzelfällen zu sprechen, beweist zum wiederholten Mal, in welcher Realität dieser Mann lebt respektive was ihm seine Mitmenschen wirklich wert sind.

 

142.000 Todesfälle, überwiegend Menschen, die gerne noch länger gelebt hätten, überwiegend Menschen, um die andere Menschen nun trauern – Einzelfälle?

 

Wie wird das wohl in den Ohren eines noch glaubensfernen Menschen klingen, besonders wenn derselbe, der diese Aussage getätigt hat, ihm das Evangelium verkünden will?

 

Und wie heißt es noch in dem beeindruckenden Lied Siehst du das Lamm? von Albert Frey:

 

Siehst du das Lamm auf seinem Arm? Der gute Hirte hält es warm. Er ließ die NEUNUNDNEUNZIG stehn. Es soll ihm KEINS verloren gehn.

 

Quelle: https://youtu.be/S36HDuuhZpk

 

Selbst wenn man darauf bestehen wollte, dass dies ausschließlich in Bezug auf das ewige Leben gilt – was meines Erachtens nicht korrekt wäre, siehe Matthäus 18, siehe dazu auch das übernächste Thema Die Abschaffung des Todes –, müsste man wenigstens einräumen, dass jeder, der frühzeitig aus dem Leben gerissen wird, eben weniger Gelegenheit hat, das Evangelium zu hören und umzukehren.

 

Somit darf es meiner Ansicht nach für Christen überhaupt nicht entscheidend sein, ob nun zehn, vier oder nur ein Prozent der jährlichen Todesfälle durch Covid geschehen, solange wir die Möglichkeit haben, einen davon zu vermeiden, weil schlichtweg jeder einzelne Mensch zählt.

 

Weiterhin bietet Nestvogel einen Artikel eines Herrn namens Stefan Felber mit dem Titel Angesicht oder Maske zum Herunterladen an, in welchem dieser entgegen sämtlicher seriöser wissenschaftlicher Erkenntnisse behauptet, Masken schadeten mehr, als dass sie nützten.

 

Wie seriös und medizinisch fundiert die Aussagen dieses Herrn Felber sind, erkennt man gleich am Anfang, wo er klarzustellen versucht, auf welche Bereiche des sozialen Lebens sich sein Artikel fokussiert:

 

"Der Fokus liegt – vor allem ab Teil 2 – auf dem Maskentragen in Schule undKirche. Es werden also Orte bedacht, an denen in der Regel gesundeMenschen zusammenkommen, um einander bewusst zu begegnen. Die Verwendung von Masken in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Arztpraxen, Geschäften,an gefährlichen Arbeitsplätzen, in vollen öffentlichen Transportmittelnoder allgemein in der Begegnung mit Menschen mit geschwächtem Immunsystem wird hier nicht behandelt!"

 

Hier haben wir exakt das Narrativ, welches auch Nestvogel während der gesamten Pandemie pflegt, unter anderem bei seinem Gang zum Bundesverfassungsgericht wegen des Singverbots. Man lässt nämlich völlig unter den Tisch fallen, dass die in der Regel gesunden Menschen, die überdies gemäß Nestvogels Lesart jeweils freiwillig zusammenkommen und sich dem Infektionsrisiko bewusst aussetzen – oder es nach der konsequenten monatelangen Gehirnwäsche durch Leugner und Verharmloser wie eben Nestvogel von der Kanzel herab gar nicht als solches ansehen –, eben nicht auf einer Insel der Seligen leben, sondern womöglich direkt nach dem Gottesdienst an einem gefährlichen Arbeitsplatz oder in einem vollen öffentlichen Transportmittel den besonders gefährdeten Menschen mit geschwächtem Immunsystem zu begegnen und diese anzustecken.

 

Dieses auf der Hand liegende Gefährdungspotenzial scheint die Coronaleugner und –verharmloser in keiner Weise zu beeindrucken oder zu beeinflussen. Sie nehmen bewusst und vorsätzlich die Gefährdung Dritter durch ihren eigenen Egoismus in Kauf.

 

Die Fakten hinsichtlich Maske sehen übrigens folgendermaßen aus:

 

Korrekt getragen, ist die Maske nach dem natürlich wirksamsten Mittel, dem Abstandhalten respektive der Kontaktvermeidung an sich, die effektivste Möglichkeit, die Ansteckungsgefahr zu reduzieren:

 

https://www.dw.com/de/gro%C3%9Fe-metastudie-zeigt-aha-regeln-funktionieren/a-59865788

 

Dies wird sogar in dem ansonsten völlig zu Recht scharf kritisierten Evaluationsbericht des Sachverständigen-Ausschusses zur Covid-Pandemie bestätigt – und ist auch vollkommen logisch, denn es muss doch auch dem Laien klar sein, dass ein Ding, welches das Luftholen teilweise erschwert, auch irgendwelchen Viren oder Bakterien das Durchkommen verleidet.

 

Und wie kommt es bloß, dass die Behauptung, die Maske sei schädlich, bis heute nur von wenigen vorgetragen wird, während man im Alltag rein gar nichts davon sieht und selbst im Wartezimmer des Hausarztes keiner derjenigen, die dort zwei Stunden auf ihre Behandlung warten, plötzlich ins Freie stürzt, um Luft zu holen?

 

Diese Fakten sind jedoch bei Nestvogel, der während der gesamten Pandemie von der angeblichen Schädlichkeit der Masken schwadroniert hat, offenbar bis heute nicht angekommen.

 

Als Nächstes verlinkt Nestvogel einen weiteren Artikel des Autors Alexander Meschnig mit dem Titel Die Abschaffung des Todes.

 

Abgesehen davon, dass dieser Herr augenscheinlich auch den Klimawandel abstreitet ("Der Ausnahmezustand konnte bei Corona praktisch ohne Widerstand erklärt werden, da er nur das bereits eingeführte Klimanarrativ fortschrieb. Die Mischung aus apokalyptischen Vorhersagen, panischer Angst und einer Hypermoral, ident zur Klimadebatte, stieß bei vielen Bürgern, insbesondere des linksgrünen Lagers, auf breite Resonanz."), bezeichnet Meschnig die Schutzmaßnahmen der Regierung(en) als kolossalen Größenwahn und argumentiert – rhetorisch gar nicht ungeschickt inklusive zahlreicher Zuspitzungen und Übertreibungen –, der Tod werde immer ein Ereignis sein, dem wir hilflos gegenüberstünden:

 

"Wir können ihn vielleicht hinauszögern und die moderne Medizin hat dafür Instrumentarien zur Hand. Wir können ihn aber nicht verhindern."

 

Interessant ist an solchen Aussagen und Artikeln immer das, was nicht explizit gesagt wird, aber gemeint ist. Dabei geht es nicht um das berühmte Lesen zwischen den Zeilen, das eine überwiegend subjektive Angelegenheit ist. Nein, hier geht es um die zwangsläufigen Konsequenzen, die sich ergäben, würde man einer bestimmten Einschätzung oder Anregung folgen.

 

Und diese Konsequenzen aus den beiden genannten Artikeln, die Nestvogel verlinkt und sie damit zu seiner eigenen Meinung macht, lauten wie folgt:

 

"Lasst die Masken weg, und wer dann aufgrund dessen stirbt, der hat halt Pech gehabt!"

 

"Stoppt sämtliche Schutzmaßnahmen inklusive Impfung, und wer aufgrund dessen stirbt – siehe oben!"

 

Interessant an Meschnigs Artikel ist übrigens, dass er bei seinen Ausführungen zum Tod nicht auf das ewige Leben verweist. Das ist insofern von Bedeutung, als während der Pandemie deutlich zu beobachten war, dass einige dieser Christen den Wert des irdischen Lebens zugunsten der Ewigkeit herunterspielten, einer sich mir gegenüber gar zu der furchtbaren Aussage verstieg, gemäß Psalm 90,10 dürften sich Menschen über achtzig nicht beschweren, wenn das Corona-Virus sie dahinraffe!

 

Zeit, um ein wenig über den Tod nachzudenken.

 

Niemand wird wohl ernsthaft abstreiten, dass der Überlebenstrieb die stärkste Antriebsquelle im Menschen ist. Sind wir unmittelbar vom Tod bedroht, übernimmt quasi der Autopilot:

 

https://carlroth.blog/adrenalin-das-hormon-der-helden/

 

Und das ist auch verständlich, denn Tod bedeutet, sofern wir die Frage nach dem Leben danach zunächst ausklammern, das Ende der Existenz, das endgültige, finale Ende all dessen, was uns ausgemacht hat, was uns wichtig war.

 

Adrian Plass hat die Angst davor in einem seiner Bücher auf den Punkt gebracht, indem er auf seine bekannt humorvolle, manchmal sarkastische Art anlässlich einer unmittelbaren Todesgefahr sinngemäß sagte, es wäre ihm lieber, unter anderen Menschen in der Hölle zu sein, als nicht mehr zu existieren.

 

Allein deshalb ist das Gerede von einem angeblich gestörten Verhältnis zu Sterben und Tod unsinnig. Und gleichzeitig stimmt Meschnigs eigene Aussage, dass wir den Tod nicht verhindern, aber hinauszögern respektive alles Menschenmögliche gegen einen aus unserer Sicht zu frühen Tod tun können. Denn genau das ist die Quintessenz menschlichen Lebens, zumindest diesseits der Frage nach einem möglichen Leben nach dem Tod!

 

Was aber ist, wenn wir nun Gott und sein Angebot, uns durch Jesu Tod am Kreuz ewiges Leben zu schenken, in die Gleichung einbeziehen?

 

Wird das irdische Leben dadurch weniger wert?

 

Meiner persönlichen Ansicht nach: Ja!

 

Das irdische Leben mit all seinen Facetten, vor allem den negativen selbstredend, verliert angesichts der wunderbaren Aussicht, die Ewigkeit in einer absolut perfekten Umgebung zu verbringen, an Bedeutung.

 

Aber wohlgemerkt nur gegenüber dieser einen, einzigartigen Perspektive, und das ist das Entscheidende, wenn man über mögliche Opfer einer Pandemie oder eines Völkermords reden will!

 

Und wenn etwas gegenüber einer wertvolleren Sache an Bedeutung verliert, dann heißt das nicht, dass es selbst dann nichts mehr wert ist. Je nach persönlicher Vorliebe ist ein Mercedes das deutlich bessere Auto als ein Opel, aber ist Letzterer deshalb untauglich, wenn es um komfortablen Transport von A nach B geht?

 

Kennen Sie Power-Point? Wenn man darin eine Präsentation erstellt, arbeitet man oft mit bunten Bildern, Textfeldern oder Diagrammen. Diese kann man entsprechend neben- oder untereinander anordnen, aber manchmal muss man sich auch entscheiden, welches Element das jeweils andere überlagert. Dazu gibt es eine Funktion namens In den Hintergrund – (eine) Ebene nach hinten. Damit kann man mehrere Bild- oder sonstige Elemente übereinander anordnen, um beispielsweise auf unterschiedlichen Folien verschiedene Aspekte der Präsentation hervorzuheben. Gleichzeitig verschwindet das zurückgesetzte Element dabei nicht vollständig, sondern wird sozusagen zwischen dem ersten und dem dritten eingereiht.

 

Dasselbe Prinzip, eine Ebene nach hinten, können wir heranziehen, wenn es um die Bewertung der Bedeutung des irdischen Lebens geht. Es muss gegenüber dem ewigen Leben ins zweite Glied zurücktreten, steht aber ansonsten über jedem einzelnen sonstigen Aspekt des menschlichen Lebens.

 

Dass dem so ist, sieht man beispielsweise daran, dass sich auch schwerstbehinderte Menschen, bei denen manche Außenstehenden meinen, ihr Leben sei nicht mehr lebenswert, eben nicht reihenweise selbst töten.

 

Man sieht es daran, dass sich Menschen, die in ganz prekären wirtschaftlichen, sozialen oder politischen Situationen leben, eben nicht reihenweise umbringen, obwohl ihnen klar ist, dass sich die Umstände mit großer Wahrscheinlichkeit nicht verbessern werden.

 

Und man sieht es in der Bibel!

 

Warum weckt Jesus den Lazarus auf, wo er doch weiß, dass der finale Tod hier lediglich hinausgezögert wird und das gesamte Prozedere mit der Grablegung und der Trauer in zehn oder zwanzig Jahren noch einmal durchlitten werden wird? Schließlich hat er das erwiesenermaßen nicht nur getan, um seine Göttlichkeit und Allmacht zu demonstrieren, sondern insbesondere aus Mitgefühl.

 

Warum wird denjenigen, die Vater und Mutter ehren, ein langes (irdisches) Leben zugesprochen?

 

Warum wird einem Salomo für den Fall, dass er Gottes Satzungen und Gebote beachtet, ein langes (irdisches) Leben zugesagt?

 

Somit ist das Geschwätz von der angeblich so verwerflichen Verabsolutierung des Lebens, das sich Nestvogel hier und auch schon früher durch das Verlinken derselben Gedanken des italienischen Denkers Giorgio Agamben zu eigen macht, nicht nur geschmacklos, sondern auch zynisch und, eben, menschenverachtend!

 

Und bei diesen Betrachtungen ist ein ganz entscheidender Aspekt noch gar nicht zur Sprache gekommen, nämlich unsere Verantwortung für die anderen!

 

Wenn Meschnig, Agamben und Nestvogel der Meinung sind, das menschliche irdische Leben sei weniger wert, als es das sogenannte Team Vorsicht während der Corona-Pandemie durch seine Aussagen und sein Verhalten zum Ausdruck bringt, und die sich daraus ergebenden Konsequenzen nur auf sich selbst beziehen, ist das zunächst einmal ihr gutes Recht.

 

Dass Nestvogel damit von der Kanzel herab das Gegenteil dessen predigt, was die Bibel wie oben verdeutlicht zum Thema sagt, muss er irgendwann selbst vor Gott verantworten.

 

Noch einmal Alexander Meschnig:

 

"Jeder Mensch muss aber für sich entscheiden dürfen, was ihm sein Leben wert ist, was er schützen will und was er ablehnt."

 

Ich bin jetzt nicht ganz sicher, was mit dem Passus "was er schützen will …" gemeint ist. Womöglich liegt hier bereits des Pudels Kern, und Meschnig will damit aussagen, der Mensch habe auch das Recht, selbst zu entscheiden, ob er das Leben eines anderen Menschen schützen will oder nicht.

 

Wie gesagt, ob er das so gemeint hat, weiß ich nicht. Aber er trifft damit den entscheidenden Punkt; Nestvogel und Konsorten haben während der Pandemie bewusst und vorsätzlich glasklar in Kauf genommen, dass durch ihr Verhalten – und das Verhalten anderer, die ihre verharmlosenden Aussagen zur Kenntnis genommen und als Maßstab für das eigene Verhalten herangezogen haben – Menschen schwer erkranken oder gar sterben. Und an dieser Stelle hört endgültig jeglicher Spaß auf.

 

Was ist mit den Menschen, die ganz ihrer Natur entsprechend ein langes irdischen Leben anstreben, sich aber aufgrund ihrer genetischen oder gesundheitlichen Disposition (Autoimmunschwäche, Vorerkrankungen) auch durch die Impfung nicht wirksam vor dem Virus schützen können?

 

Was ist, wenn diese Leute sonntags nach dem Gottesdienst der BEG Hannover im Bus einem der dortigen Gemeindeglieder begegnen, das sich gerade vorher in aller Freiwilligkeit beim lauten Singen das Corona-Virus eingefangen hat und es nun weitergibt?

 

Persönliches Pech?

 

Kollateralschaden der ganz anderen Art?

Allein die Menschen, die sich gern vor dem Virus schützen wollten, es aber nicht können, sind der ausschlaggebende Faktor für die Betrachtung der gesamten Pandemie! Gäbe es sie nicht, könnte man das Virus komplett laufenlassen, und jeder andere könnte frei entscheiden, ob er sich durch die Impfung schützen will oder nicht. Weil es sie aber gibt, und zwar dürften es in Deutschland einige hunderttausend, wenn nicht gar ein paar Millionen sein, haben wir in einer Solidargesellschaft schlicht und ergreifend die Pflicht, sie bestmöglich zu schützen. Punkt!

Und wodurch zeichnet sich solidarisches, zivilisiertes und soziales Verhalten aus? Dadurch, dass ich mit meinem egoistischen Verhalten das Leben meines Nächsten unmittelbar gefährde, oder womöglich eher dadurch, dass ich versuche, ihn bestmöglich zu schützen?

 

Und zeichnet sich Vernunft – oder sogar hohe Intelligenz, dazu später mehr – etwa dadurch aus, dass man sein Verhalten bei einer Frage, bei der es um Leben oder Tod geht und bei der das tatsächliche Gefährdungspotenzial (theoretisch) noch nicht abschließend ermittelt ist, an den Aussagen derjenigen Minderheit ausrichtet, die die Gefährdung für gering hält?

 

Ich komme mir derzeit im Supermarkt vor wie E.T., weil ich einer geringen Minderheit angehöre, die weiterhin eine Maske trägt und möglichst Abstand hält – und zwar zu einhundert Prozent nur deshalb, weil ich meine Mitmenschen nicht gefährden will.

 

Welche Rolle spielt hierbei eine Statistik, die aussagt, dass nur bestimmte Personengruppen besonders gefährdet sind, solange die Möglichkeit besteht, dass ich einen von ihnen gefährde – oder einen, der offiziell gar nicht zu den Vulnerablen gezählt wird, den es aber wie tausendfach geschehen trotzdem schwer erwischt?

 

Derzeit sterben (Stand Ende Juli) im Sieben-Tages-Durchschnitt täglich einhundertzwölf Menschen in Deutschland an Covid-19.

 

Das sind "lediglich" knapp fünf Prozent der durchschnittlichen Sterbefälle im Monat Juli der Jahre 2016 bis 2021.

Klingt auf den ersten Blick gar nicht nach so viel, nicht wahr? Wobei jeder von uns über eine Gehaltserhöhung von fünf Prozent wohl ziemlich erfreut wäre, gerade in diesen Zeiten.

Aber erwartungsgemäß sind diese Zahlen nicht nur für Wolfgang Nestvogel Peanuts, auch der Corona-Erklärer Matze Koch bezeichnet diese Auswirkungen der Pandemie wörtlich als "lächerlich" – und das in einem Vortrag, in welchem er es fertigbringt, über "das Virus Sünde" zu predigen und die dreistesten Lügen über die Masern zu erzählen!

 

Und damit sind wir bei einem der dümmsten Argumente der Coronaleugner während der gesamten Pandemie: Denn es ist eben nicht so, dass die Million Todesfälle – tatsächlich wurde im vergangenen Jahr zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland die Millionengrenze überschritten – dadurch zustandekommen, dass man diese Menschen einfach so sterben lässt und man das deshalb bei den paar Corona-Gefährdeten auch tun könnte oder sollte.

 

Nein, diese Todesfälle haben allesamt gemeinsam, dass sie trotz aller Gegenmaßnahmen nicht zu verhindern waren!

 

Was wird nicht alles auf dem medizinischen Sektor getan, um Leben zu schützen und zu verlängern?

 

Was wird nicht alles getan, um Menschen sogar daran zu hindern, sich selbst zugrunde zu richten?

 

Was wird nicht beispielsweise im auch von den Coronaleugnern so gern herangezogenen Straßenverkehr getan, um Leben zu schützen?

 

Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger hielten ABS und Airbag Einzug in unsere Autos, gefolgt von vielen anderen wichtigen, lebensrettenden Innovationen wie zum Beispiel dem ESP Mitte der Neunziger. Ich habe lange Zeit in der Automobilbranche gearbeitet und weiß, was für ein enormes Augenmerk der aktiven und passiven Sicherheit von Kraftfahrzeugen gewidmet und was für ein unglaubliches Geld dafür ausgegeben wird. Autos – und mittlerweile auch Motorräder – wären um ein Vielfaches günstiger, würde man auf all die eingebauten Sicherheitsfeatures verzichten und das Ganze in die Hände des angeblich mündigen Bürgers legen. Nach dem Motto: für den, der ABS und Airbag will, gibt es die Aufpreisliste.

 

Und was ist das Ergebnis dieses Aufwands?

 

Schauen wir uns die Entwicklung der Verkehrstoten in Deutschland für den Zeitraum seit ABS und Airbag an:

 

Von 1980 bis 2020 sind in Deutschland offiziell etwas mehr als 307.000 Menschen im Straßenverkehr ums Leben gekommen.

 

In dieser Zeit sind wurden die jährlichen Todesfälle von 15.050 (1980) auf 2.719 (2020 mit Corona-Lockdowns, sozusagen positive Kollateralschäden, weil durch die gesunkene Fahrleistung eben auch die Zahl der Verkehrstoten ungewöhnlich stark gesunken ist) reduziert.

 

Insgesamt beträgt die Reduzierung etwas mehr als 12.000 Tote, umgerechnet pro Jahr somit ungefähr 300.

 

Im Vergleich dazu eine Million Sterbefälle insgesamt sowie bisher knapp 143.000 Menschen in den vergangenen zweieinhalb Jahren, die an oder mit Corona gestorben sind.

 

Und nun stellen wir diesen Zahlen den gigantischen Aufwand gegenüber, der betrieben wird, um die Zahl der Verkehrstoten niedrig zu halten und zu reduzieren. Die Kraftfahrzeuge, die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland, einzigartig im weltweiten Vergleich, der ungeheure Kontrollaufwand.

 

Wird bei einem Menschen Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert, liegt die statistische Wahrscheinlichkeit, dass dieser Mensch nach fünf Jahren noch lebt, bei neun Prozent. Grob gerechnet überlebt also etwa jeder Zehnte diese Krankheit. Das sind bei knapp zwanzigtausend Fällen pro Jahr ergo etwa zehntausend in diesem Zeitraum. Neunzigtausend jedoch sterben – und was wird medizinisch alles aufgefahren, wenn die Diagnose ergeht? Wird etwa nicht alles getan und noch etwas mehr, um der Statistik entgegen aller Wahrscheinlichkeiten vielleicht doch ein Schnippchen zu schlagen?

 

Wer hier noch ernsthaft behaupten will, man tue gegen das Coronavirus unverhältnismäßig viel, sollte wahlweise die Grundrechenarten nochmal ganz von vorne studieren – oder die Bergpredigt!

 

https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/sterbefaelle-2021-101.html

 

Und ohnehin stellt auch ohne die vorgenannten Fakten jeder einzelne Sterbefall schlichtweg eine Tragödie für sich dar.

 

Weiterhin – zurück zum Virus – befinden wir uns derzeit in der Jahreszeit, die für das Virus mit Abstand am ungünstigsten ist, weswegen wir für den Herbst deutlich Schlimmeres befürchten müssen, zumal wenn das Virus weiter mutiert und sich Lauterbachs unpopuläre Warnung ("Womöglich bekommen wir Mutationen, die so ansteckend sind wie Omikron und so gefährlich wie Delta!") tatsächlich bewahrheiten sollte.

 

Ist also diese simple Form der Rücksichtnahme – Maske, Abstand, Hygiene – wirklich zu viel verlangt, gar für einen Christen, der gemäß Bibel der Stadt Bestes suchen und seinen Nächsten lieben soll wie sich selbst?

 

Da ich bei allem, was ein Mensch tut, nach dem Warum frage, zerbreche ich mir seit Pandemiebeginn den Kopf darüber, warum ausgerechnet Christen das Leben der (anderen) Menschen so vollkommen gleichgültig sein kann, obwohl diese Haltung dem tatsächlichen biblischen Befund derart diametral entgegensteht.

 

Und ich glaube, zumindest in einem Teilaspekt fündig geworden zu sein:

 

Gerade konservative Christen teilen die Menschheit gerne und konsequent in gerettet versus nicht gerettet ein.

 

Wer gerettet ist, den erwartet ein ewiges Leben in Herrlichkeit.

 

Wer gerettet ist und entweder ein schweres irdisches Leben, ein bestimmtes Alter erreicht oder eine hohe geistliche Reife erlangt hat, mag sich wie Paulus danach sehnen, abzuscheiden und bei Christus zu sein.

 

Das alles ist gar nicht falsch und gut nachvollziehbar.

 

Falsch ist jedoch bei vielen die Einstellung zu den nicht Geretteten. Augenscheinlich ist es so, dass es bei einigen Christen gegenüber den glaubensfernen Menschen eine Art Der-ist-selbst-schuld-Haltung gibt, die auf der völlig abwegigen Einschätzung basiert, sie selbst hätten das Seelenheil durch ihren Lebenswandel in irgendeiner Form eher verdient. Tatsächlich habe ich es zweimal erlebt, dass mir Christen im Hinblick auf die Irrlehre der Allversöhnung sagten, sie würden es unfair finden, wenn letztlich jeder Mensch in den Himmel käme. Was für eine verquere Denkweise! Als ob das Christentum auch nur ansatzweise darauf beruhte, sich in Bezug auf das Seelenheil irgendwelche Meriten zu verdienen, oder es ein signifikantes Opfer darstellte, sich die Ausschweifungen der säkularen Welt zu verkneifen.

 

Sitzen wir etwa nicht alle im selben Sündenboot?

 

Ist da einer von uns, wegen dem Christus nicht ans Kreuz gemusst hätte?

 

Glaubt irgendjemand, ich würde Nestvogel und Co. so vehement angreifen, weil ich mich für den besseren Menschen oder Christen halte? Das genaue Gegenteil ist der Fall; wenn es um Schätze im Himmel geht, ist sein Vorsprung auf mich um Lichtjahre größer als der des FC Bayern in der Bundesliga.

 

Insofern geht es lediglich um einen Ausschnitt aus dem Christenleben eines Menschen, den ich kritisiere, jedoch ohne mich in irgendeiner Form über ihn zu stellen. Das ist es, was meines Erachtens mit biblischer Ermahnung gemeint ist.

 

Gleichwohl stellt sich aber auch die generelle Frage, wie es sein kann, dass Menschen, die den Heiligen Geist in sich tragen und denen das Doppelgebot der Liebe bekannt ist, ihrem Nächsten gegenüber derart gleichgültig sein können.

 

Vermutlich gibt es auch noch andere Gründe für die Herzenskälte und Lieblosigkeit mancher Christen, die mir noch nicht geläufig sind. In jedem Fall aber steht eine Einstellung, die das menschliche, auch irdische Leben derart gering schätzt, wie es aus all den Verlautbarungen der christlichen Coronaverharmloser herausschallt, in gar keiner Weise mit den in Gottes Wort propagierten Werten im Einklang.

 

Und weil dies kein theologisches Kavaliersdelikt ist wie zum Beispiel unterschiedliche Sichtweisen zur sogenannten Frauenfrage, zu Gottesdienstformen oder zum allgemeinen Priestertum, sondern tatsächlich das Fundament des Christentums berühren, ist es nicht nur völlig unverständlich, sondern vollkommen inakzeptabel, dass die Vernünftigen und Besonnenen es nicht konsequent sanktionieren. Dazu später mehr.

 

Damit haben wir nun erstens die aktuellen Fakten benannt und zweitens aufgezeigt, dass bei den Protagonisten der militanten Coronaleugnung der vergangenen zweieinhalb Jahre keinerlei Einsicht zu erkennen ist.

 

Wenn wir nun beides, die Fakten und deren Einschätzung durch Nestvogel und Co., miteinander verknüpfen, stehen wir wieder einmal vor der Frage nach dem Warum.

 

Warum sehen diese Leute die Realität nicht?

 

Warum nehmen sie einfach nicht zur Kenntnis, dass die Corona-Pandemie in allen Ländern dieser Erde als gefährliches Ereignis angesehen wird und, von verschwindenden Ausnahmen sowie kulturellen und strukturellen Besonderheiten abgesehen, überall dasselbe zur Eindämmung unternommen wird?

 

Müssten die Regierungen der Welt und all ihre Berater nicht zwischenzeitlich erkannt haben, dass Nestvogel, Tscharntke und MacArthur den ultimativen Durchblick haben, und ihr Vorgehen entsprechend ändern?

 

Müssten sie nicht aufhören, weltweit massenhaft Studien über Studien zum Thema Corona zu erarbeiten und dafür einen unfassbaren Aufwand zu betreiben, da doch die Querdenker-Genies messerscharf erkannt haben, dass hierfür gar kein Anlass besteht?

 

Wie vollkommen ignorant und arrogant muss man sein, ernsthaft zu glauben, als überwiegend fachfremde, zahlenmäßig verschwindende Minderheit schlauer zu sein als der globale wissenschaftliche Konsens?

 

Allein diese Anmaßung fand ich von Beginn an unglaublich.

 

In meinem Buch versuche ich, dem Phänomen auf den Grund zu gehen, und habe dabei festgestellt, dass es den einen Grund wohl nicht gibt. Sehr frei nach 1. Korinther 13 könnte man sagen:

 

"Nun aber bleiben mangelnde Intelligenz und Bildung, unzureichende Medienkompetenz, notdürftiges biblisches Wissen, fehlende geistliche Urteilsfähigkeit, vollständige Verblendung durch den Teufel und Stolz; das größte aber unter ihnen ist der Stolz!"

 

Zu allen angeführten Punkten nehme ich in meinem Buch ausführlich Stellung und versuche herauszuarbeiten, wie sich die Gesamtgesellschaft und parallel dazu die christliche Gemeinde jeweils entwickelt haben. Diese Fragen sind meines Erachtens auch ohne Corona und Putin hochinteressant, weil sie eben sämtliche Bereiche des Christentums berühren und insofern generell von größter Wichtigkeit sind.

 

Die Kurzform lautet, dass wir uns hinsichtlich der ersten fünf vorgenannten Aspekte auf dem absteigenden Ast befinden. Dieser Befund wird niemanden wirklich überraschen.

 

Bleiben noch zwei.

 

Angesichts der unverrückbaren Einschätzung der Sachlage sowohl bei Corona als auch teilweise nun beim Ukrainekrieg ist klar, dass sich eines der beiden Lager in völliger Verblendung befinden muss. Und dem Teufel ist selbstverständlich zuzutrauen, dass er Menschen komplett auf den Holzweg schickt; das hat die Geschichte der Christenheit hinlänglich bewiesen.

 

Einschub:

 

Übrigens gibt es, wenn sich zwei Lager, die sich derart unversöhnlich gegenüberstehen, aber beide auf die Bibel berufen, ein sehr aussagefähiges Indiz, an dem man erkennen kann, wer nun verblendet ist:

 

Das Verhalten!

 

Pflege ich die biblisch propagierten Verhaltensweisen, die mir als Christ gut anstehen – und die von der säkularen Welt übrigens auch erwartet werden –, suche ich also der Stadt Bestes, liebe ich meinen Nächsten wie mich selbst und nehme ich entsprechend Rücksicht auf ihn, gehorche ich meiner Obrigkeit?

 

Oder tue ich jeweils das Gegenteil?

 

Eben.

 

Einschub Ende.

 

Trotzdem tue ich mich etwas schwer zu glauben, dass die Realität tatsächlich derart konsequent an Menschen vorüberziehen kann. In einer Rezension zu meinem Buch wird beispielsweise Nestvogel als hochintelligent bezeichnet. Zufällig kenne ich mich mit diesem Thema ganz gut aus und weiß, dass jemand, der einen Doktortitel trägt, in der Regel überdurchschnittlich intelligent ist. Und zwar aus meiner Sicht – ohne hier irgendetwas oder irgendjemanden in irgendeiner Form abwerten zu wollen! – ausdrücklich nicht wegen seiner Doktorarbeit als solches, die in erster Linie meist eine enorme Fleiß- (oder manchmal auch Kopier-)Arbeit ist, sondern schlicht und ergreifend deswegen, weil irgendein Professor denjenigen für befähigt hielt, den Doktor zu machen. Das dürfte somit auch auf Nestvogel zutreffen.

 

Allerdings erwarte ich persönlich von Hochintelligenz auch, dass man in der Lage ist, sich über das berühmt-berüchtigte Confirmation Bias und sonstige Dümmlichkeiten hinwegzusetzen und Informationen anhand seines scharfen Verstandes immer wieder zu überprüfen und einzuordnen. Darin mag ich falschliegen, und womöglich stelle ich später am großen weißen Thron fest, dass ich der Verblendete war, der seinen Verstand an der Garderobe des Impfzentrums abgegeben hat. Wir werden sehen.

 

Bis dahin jedoch glaube ich, und das sieht man meines Erachtens auch am Umgang der Coronaleugner mit der Kritik und den Kritikern deutlich, dass sie sehr wohl wissen, wo der Hase tatsächlich lang läuft, und dass es schlichtweg der Stolz ist, der sie davon abhält, die tatsächlichen Fakten endlich zur Kenntnis zu nehmen.

 

Das Eingestehen von Irrtümern, zumal solchen, die man derart vehement vorgetragen hat, ist mit die größte Überwindung, mit der wir Menschen umgehen müssen. Da schließe ich mich selbst keinesfalls aus.

 

Deshalb suchen wir, wenn wir uns einmal irgendeine Meinung gebildet haben, mehr oder weniger unbewusst nur noch nach Bestätigungen (das erwähnte Confirmation Bias) und blenden alles, was unserer Einschätzung entgegensteht, aus.

 

Im Fall von Corona ist das dann sogar teilweise verständlich, denn hier ging und geht es schließlich um Leben und Tod, und einzugestehen, dass man unmittelbar oder mittelbar am Tod eines anderen Menschen schuld ist, dürfte so ziemlich das Schlimmste sein, was man zugeben muss. Mir selbst ist ein solcher Fall persönlich bekannt, und die Betroffenen – nicht nur das eigentliche Opfer – tun mir abgrundtief leid.

 

Besonders tragisch wird die Unfähigkeit, Fehler einzugestehen, jedoch bei Menschen, die sich als Christen verstehen. Die ultimative Basis des Christentums ist Bekenntnis und Vergebung, daran hängt schlichtweg alles und das unterscheidet das Christentum eben von allem anderen, was man Religion nennt. Sowohl im Verhältnis Gott versus Mensch als auch bei den Menschen untereinander geht es in allererster Linie darum. So wie Gott uns vergibt, wenn wir bekennen (1. Johannes 1,9), sollen auch wir uns untereinander vergeben.

 

Das ist für beide Seiten eine Herausforderung, sowohl für denjenigen, der sich zum Bekennen überwinden muss, als auch für den, der um Vergebung gebeten wird. Denn wenn eine Sünde bekannt ist, dann muss es tatsächlich wieder gut sein, und zwar vollständig. Und es gibt doch nichts Schöneres als ebendiese Vergebung, das wird jeder bestätigen, der sie – egal aus welcher Richtung – je erlebt hat.

 

Exemplarisch wird dieses Prinzip bei David verdeutlicht, der als Ehebrecher und sogar Mörder später seinem Sohn Salomo als Vorbild vor Augen gestellt wird – nämlich als Gott, um im Thema zu bleiben, diesem ein langes Leben in Aussicht stellt, wenn er sich verhält wie sein Vater, dem Mann nach dem Herzen Gottes.

 

Aus den genannten Gründen ist es so traurig, dass die bekannten christlichen Coronaleugner ihr unsinniges Narrativ offenbar unter allen Umständen weiterführen wollen. Und das selbst dann noch, wenn sie glasklar überführt sind:

 

Der eingangs erwähnte Matze Koch ließ sich in seiner sogenannten Facebook-Andacht vom 22.11.2020 über die Folgen der Lockdowns auf die Masern aus. Dazu verlinkte er zwei Quellen, einmal Tagesschau, einmal T-Online, die seine Aussagen vorgeblich bestätigen sollten. Da ich jemand bin, der wirklich die volle und ganze Wahrheit wissen will, und noch nichts über den Zusammenhang Masern und Corona gehört hatte, schaute ich mir die verlinkten Artikel an. Und stellte fest, dass Koch in seinem Vortrag komplett die Unwahrheit gesagt hatte. Tatsächlich gab es eine negative Entwicklung hinsichtlich der Ausbreitung und der Opfer der Masern, diese fand jedoch von 2016 bis 2019 statt und kann somit nichts mit einem Corona-Lockdown zu tun gehabt haben, wie Koch es in seinem Vortrag behauptete.

 

Daraufhin nannte ich Koch, der außerdem, womöglich in der Absicht, das Problem noch ein bisschen mehr aufzupumpen, auch noch falsche Zahlen zu dem Thema genannt und behauptet hatte, die Zahl der Maserntoten sei von 200t auf 300t gestiegen, während aus den besagten Artikeln klar hervorgeht, dass die Steigerung von ungefähr 148t auf etwas mehr als 200t stattfand, einen Lügner und präsentierte ihm die Belege dafür. Unter zivilisierten Menschen – und dazu hätte es keines Christseins bedurft! – wäre die Geschichte jetzt zu Ende gewesen, es hätte ein Bekenntnis gegeben, vielleicht das Eingeständnis eines Missverständnisses oder einer oberflächlichen Recherche, und eine Klarstellung und Entfernung der falschen Quellen. Denn er war überführt.

 

Und was tat Matze Koch? Er empörte sich darüber, als Lügner bezeichnet worden zu sein, hat seine Aussagen nie widerrufen und auch die falschen Quellen bis heute nicht entfernt !

 

Quelle: Matze Koch - Schöne Scheiße! Ich bin auch infiziert..! | Facebook

 

Und so einer soll das Evangelium verkünden?

 

Damit sind wir endgültig beim eigentlichen Thema dieses Artikels angelangt, nämlich dem Umgang der (vernünftigen) Christen mit der Situation.

 

Fangen wir gleich mit dem zuletzt beschriebenen Fall an:

 

Da gibt es einen Christen, der die Facebook- und YouTube-Andachten von Matze Koch mag und regelmäßig Werbung dafür macht.

 

Dieser Christ wird über Kochs Aussagen und Lügen informiert und erhält die Belege dafür.

 

Dann äußert er sich wochenlang nicht zu dem Thema. Daraus kann der Absender der Information bereits schließen, dass besagter Christ seine Haltung nicht teilt, für zu radikal hält oder was auch immer.

 

Und siehe da, nach einigen Wochen macht besagter Christ erneut Werbung für Kochs Andachten!

 

Dieses eigentlich so kleine, unbedeutende – und leider wahre – Beispiel ist exemplarisch für einen der zwei wichtigsten und übelsten Aspekte, was den Umgang von Christen mit Problemen, Konflikten und Sünde anbelangt.

 

Offensichtlich spielt es für viele Christen überhaupt keine Rolle mehr, ob ihre Verkündiger das Blaue von der Kanzel herunterlügen.

 

Dasselbe gilt ja für Nestvogel, der nicht nur haufenweise Lügen und Falschinformationen offenbar ungeprüft weitergeleitet und sich damit mindestens des Verstoßes gegen das biblische Gebot, alles zu prüfen, schuldig gemacht hat. Nein, er hat auch klare eigene Falschaussagen wider besseres Wissen getätigt, beispielsweise nachdem ich selbst ihm diese nachgewiesen und übermittelt habe und er sie Tage später unverändert wiederholt hat.

 

In die gleiche Kerbe schlägt Dr. Matthias Klaus, wie Nestvogel Angehöriger der BEG Hannover und dem Vernehmen nach dessen Schwiegersohn sowie engagierter Mitstreiter in Sachen Coronaverharmlosung und Widerstand gegen die Obrigkeit.

 

In einem weiteren You-Tube-Vortrag lässt er sich über die Corona-Impfung aus und sagt unter anderem Folgendes:

 

"Damit entfällt das wichtigste Argument für eine vermeintlich soziale Verantwortung zur Impfung. Auch wenn Geimpfte bevorzugt werden und damit suggeriert wird, dass sie für ihre Mitmenschen eine geringere Gefahr darstellen, können sie nach wie vor das Virus weitergeben."

 

Bereits diese Aussage ist medizinischer Unsinn. Erstens hilft uns ein Konjunktiv ("können") nicht weiter, wenn es darum geht, dass man ein tödliches Virus weitergeben kann. Oder würden Sie, wenn im Zoo ein Löwe ausgebrochen ist, locker bleiben, weil gerade Fütterung war und das Raubtier eventuell satt sein könnte?

 

Zweitens lässt Klaus wie alle Coronaleugner unter den Tisch fallen, dass Geimpfte nachweislich kürzer und mit geringerer Virenlast ansteckender sind als Ungeimpfte, was sich allein dadurch bereits erschöpfend erklärt, dass der Impfstoff sofort zu kämpfen beginnt, wenn er das Virus sichtet.

 

Weiter Dr. Klaus:

 

"Der Nicht-Geimpfte stellt für den Geimpften keine Gefahr dar."

 

Die letzte Aussage trifft er ausgerechnet, nachdem er beklagt hat, wie viel Geimpfte zur Zeit seines Vortrags im Krankenhaus lagen, womit er die Impfung für weitgehend untauglich erklären will.

 

Lassen wir uns das kurz auf der Zunge zergehen:

 

Geimpfte liegen in der Klinik, weil die Impfung sie nicht ausreichend vor dem Virus schützt.

 

Somit stellt für diese Leute doch zwangsläufig jeder, der das Virus verbreiten kann, eine Gefahr dar, oder sehe ich das falsch?

 

Und Klaus, im Gegensatz zu Nestvogel keineswegs nur ein Doktor der Theologie, sondern einer der Medizin, behauptet nun allen Ernstes, der Ungeimpfte stelle für diese Personen keine Gefahr dar?

 

Nicht etwa "Der Ungeimpfte stellt eine geringe Gefahr dar!" oder "Der Ungeimpfte stellt keine größere Gefahr dar als der Geimpfte!"?

 

Nein, keine!

 

Das, liebe Leser, nennt man eine glatte Lüge! Das nennt man den hippokratischen Eid mit Füßen treten!

 

Wie kann es sein, dass eine christliche Gemeinde so etwas durchgehen lässt?

 

Wie kann es sein, dass man solche Leute nicht von der Kanzel holt, solange bis sie ihr Fehlverhalten eingestanden haben?

 

Für mich ist das unfassbar. Paulus würde sich im Grab herumdrehen, wenn er mitbekäme, welch geringen Stellenwert die gegenüber Timotheus und Titus angemahnte gesunde Lehre in dieser Christenheit noch genießt und wie wenig ernst seine Mahnung bezüglich der Entfernung des Sauerteiges aus dem Ersten Korintherbrief genommen wird.

 

Was jedoch sind die Gründe dafür?

Ich glaube, und damit kommen wir in einem fließenden Übergang zu dem zweiten Negativaspekt, dass es zusammenfassend vor allem daran liegt, dass man Konflikte scheut, dass alles so bleiben soll, wie es ist, dass man den vermeintlichen Frieden und die Einmütigkeit in der Gemeinde über alles stellt. Und natürlich größten Wert auf die Wortwahl legt.

 

Dieses Verhalten ist aufgrund der Entwicklung unserer Gesellschaft von einer Schuld- hin zu einer asiatisch geprägten Schamgesellschaft, die dazu führt, dass ständig irgendeiner beleidigt ist, durchaus nachvollziehbar.

 

Aber ist es auch biblisch?

 

Nein!

 

Selbstverständlich mahnt die Bibel an, sich böse Worte zu verkneifen, den anderen anzunehmen, ja höher zu achten als sich selbst, und so weiter und so fort.

 

Aber sie tut das eben nicht, indem sie die Inhalte, sprich die erwähnte gesunde Lehre, in irgendeiner Form zur Disposition stellt!

 

Und das ist der entscheidende Punkt. Denn so wie wir bei Lehraussagen, die nicht hundertprozentig eindeutig sind, gehalten sind, den Andersdenkenden und seine Ansicht in Liebe und Geduld ertragen sollen, so unmissverständlich sind die Vorgaben bei glasklaren Sachverhalten, konsequent dagegen anzugehen. Und es bedarf schon einer gehörigen Bibel-Bastel-Anstrengung, das Gebot der Nächstenliebe oder des Umgangs mit der Obrigkeit so umzuinterpretieren, wie die Coronaleugner das tun, von nachgewiesener Lüge wie oben beschrieben erst gar nicht zu reden.

 

Diesbezüglich ist es tatsächlich bemerkenswert, mit welcher Chuzpe dieses Wegerklären der einfachen biblischen Vorgaben teilweise erfolgt. Mein persönlicher Tiefpunkt während der Auseinandersetzung um Corona war folgerichtig die Unterstellung eines anderen Christen, ich risse hinsichtlich der biblischen Einschätzung der Lage Bibelstellen aus dem Zusammenhang. (Vielleicht war der eigentliche Tiefpunkt auch die Tatsache, dass sich einer, der meine Haltung und mein Anliegen eigentlich teilte, davon hat beeinflussen lassen und sich von mir distanziert hat.)

Dieses Totschlagargument konnte man angesichts der Kontextualisierung sowie ausführlichen Begründung, die ich seinerzeit zu den herangezogenen Passagen vorgelegt hatte, nur als unglaubliche Dreistigkeit bezeichnen. Aber es zeigt eben auch, dass manche Christen nicht davor zurückschrecken, zur Aufrechterhaltung ihres Narrativs die Bibel bis zur Unkenntlichkeit zu verbiegen.

 

Die Bibelstellen, die meiner Ansicht nach vollkommen ausreichen, um das schriftgemäße Verhalten von Christen zu der Pandemie zu beschreiben, und die ich angeblich aus dem Zusammenhang gerissen habe, waren die folgenden:

 

"Sucht der Stadt Bestes!" [Jeremia 29,7]

 

"Liebt euren Nächsten wie euch selbst!" [Markus 12,31]

 

 "Wenn einer eine Meile mit dir gehen will, geh zwei mit ihm!" [Matthäus 5,41]

 

 "Lasst euch notfalls übervorteilen!" [1. Korinther 6,7]

 

 "Seid eurer Obrigkeit untertan!" [Römer 13]

 

Einige dieser Aufforderungen sind natürlich in bestimmte konkrete Situationen hineingeschrieben worden, es ist aber im biblischen Kontext leicht erkennbar, dass sie allgemeine Gültigkeit hinsichtlich christlichen Benehmens besitzen.

 

Ich denke, es wird deutlich, dass die anzustrebende Einmütigkeit niemals zulasten klarer biblischer Vorgaben gehen darf. Aber genau das geschieht, weil man augenscheinlich den Konflikt scheut und den Umgangsformen den entscheidenden Wert beimisst.

 

Hinter dieser Konfliktscheu steckt einiges. Zunächst einmal ist es natürlich fehlender Mut. Weil das so viele betrifft, kommt es dazu, dass die wenigen, die die erforderliche Courage aufbringen, plötzlich alleine dastehen und sich einer Übermacht Andersdenkender gegenübersehen.

 

Das ist aber noch nicht alles. Die Scheu vor Konflikten beinhaltet auch meist den Wunsch, alles möge so bleiben, wie es ist, nichts solle sich ändern. Und das ist die nächste Katastrophe, denn während die Angst vor Veränderung menschlich nachvollziehbar ist, darf dies für die christliche Gemeinde auf gar keinen Fall gelten. Allein die paulinischen Vorgaben zur geistlichen Entwicklung von der Milch zur festen Speise bedingen zwangsläufig Veränderung, weil geistliches Wachstum automatisch größere Erkenntnis und nachfolgend eben Änderungen im Verhalten mit sich bringen. Insofern wird, auch aufgrund der Tatsache, dass dieses Wachstum innerhalb der Gemeinde naturgemäß unterschiedlich schnell erfolgt, in einer lebendigen Gemeinde permanent eine gewisse Unruhe – und Veränderungsbereitschaft – vorhanden sein. Die bekannte Floskel Stillstand bedeutet Rückschritt! trifft hier hundertprozentig zu.

 

Vermutlich noch mehr als die Angst vor Auseinandersetzungen und die Unwilligkeit zur Veränderung ist das vielleicht größte Problem das, was man landläufig Der Ton macht die Musik! nennt.

 

Die erwähnte Schamgesellschaft bringt es mit sich, dass ständig einer beleidigt ist, weil ihm die Wortwahl seines Gegenüber nicht gefällt. Das zeigt sich am Genderwahn genauso wie an dem Affentheater, das als Cancel Culture quasi die komplette Menschheitsgeschichte politisch korrekt über den Haufen werfen will.

 

Dummerweise ist dieses Verhalten auch in die Christenheit hineingeschwappt, und wehe, man vergreift sich auch nur ansatzweise im Ton, indem man einen anderen Christen ermahnen will. Schon ist das Thema durch, es geht nur noch um die Wortwahl und das eigentliche Problem ist zweitrangig. Obwohl es in den meisten Fällen um nichts weniger als um Sünde geht!

 

Natürlich muss man seine Kritik nicht so rabiat vortragen, wie ich es manchmal tue, weil ich entweder mein Gegenüber wecken will, nachdem er auf sanfte Ansprache nicht reagiert, oder weil ich nach mehreren vergeblichen Versuchen schlicht sauer bin. Aber erstens geht es beim Thema Corona und auch jetzt in der Ukraine eben um Leben und Tod, da ist mir völlig egal, ob sich irgendein Zartbesaiteter an meinen Worten stört. Und biblische Klarheit zweitens auf dem Altar christlich-politischer Korrektheit opfern ist eben das andere Extrem. Und genau das ist heute Standard, mit dem Ergebnis, dass die Ermahnung eben nicht ankommt, die Situation sowie das Verhalten sich nicht ändern und die Einmütigkeit in der Gemeinde nichts weiter als eine oberflächliche, zerbrechliche Illusion ist, die spätestens dann wie eine Seifenblase zerplatzt, wenn es an die Substanz geht.

 

Das habe ich so auch am Umgang mit meinem Buch erlebt; neben den Krakeelern, die es lediglich niedergepöbelt haben, ohne es überhaupt gelesen zu haben, fehlt auch bei den wohlwollenden Kritiken nie der Verweis auf die teils scharfe Wortwahl, und ich bin überzeugt, dass diese – wenngleich für meine Verhältnisse sehr moderat ausgefallen – andere Gleichgesinnte davon abgehalten hat, es weiterzuempfehlen. Das finde ich schade, denn mein ausdrückliches Anliegen war und ist, in aller gebotenen Bescheidenheit und Demut Christen und Gemeinden ein wenig dabei zu helfen, sich auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten – zumal andere Publikationen zum selben Thema die meines Erachtens dringend notwendige Klarheit in der Sache aus den vorgenannten Gründen weiterhin tunlichst vermeiden.

 

Das aber nur am Rande.

 

Wie jedoch lautet diesbezüglich der biblische Befund, also der eigentliche Maßstab?

 

Zunächst ist klar, dass die Bibel die Zunge als enorme Gefahr ansieht und uns mahnt, kein böses Wort möge über unsere Lippen kommen.

 

Andererseits finden wir auch diverse Berichte über heftige Auseinandersetzungen, die mit relativer Sicherheit auch verbal, sagen wir, engagiert geführt worden sind. Und es stellt sich die Frage, wie beispielsweise die Bezeichnung "Otternbrut" (Matthäus 23,33) heutzutage in unsere Alltagssprache übersetzt würde.

 

Dazu gibt es ja seit einigen Jahren ein geeignetes Standardwerk, nämlich die berühmt-berüchtigte Volxbibel. Dort habe ich nachgeschaut. Erwartet hatte ich so etwas wie das Wort, das mit A beginnt und mit och aufhört, aber tatsächlich ist dort nur von religiösen Strebern, politischen Schleimern und Pseudos die Rede.

 

Kommen wir zu den zwei monierten Kraftausdrücken in meinem Buch:

 

Es wurde moniert, dass ich darin Impfgegner als Asoziale bezeichne.

 

Dann schauen wir uns doch mal die Definition von asozial an:

 

"Asozialität ist eine zumeist als abwertend empfundene und gemeinte Zuschreibung für Verhaltensweisen, die von gesellschaftlichen Normen abweichen und die Gesellschaft vermeintlich oder tatsächlich schädigen." (Wikipedia)

 

Oder

 

"Unfähig zum Leben in der Gemeinschaft, sich nicht in die Gemeinschaft einfügend; am Rand der Gesellschaft lebend. … die Gemeinschaft, Gesellschaft schädigend." (Duden)

 

Nun, wer will bestreiten, dass bei einem Impfgegner – wohlgemerkt, es geht hier nicht um solche, die lediglich Angst vor der Impfung haben, das wird auch in meinem Buch klar herausgestellt! – die Definition von der bewussten Schädigung der Gesellschaft und somit ein asoziales Verhalten gegeben ist? Und wer sich asozial verhält, ist nun einmal ein Asozialer, so wie jemand, der rudert oder kocht, eben ein Ruderer oder Koch ist.

 

Zweites Beispiel:

 

Der Begriff unbelehrbare Dummköpfe sei für ernsthafte Christen nicht zielführend.

 

Dieses Attribut habe ich ebenfalls für besagte Impfgegner verwendet, die nicht aus Furcht, sondern aufgrund ihrer generellen Coronaleugnung oder wegen ihres Widerstandes gegen die Obrigkeit besagte Impfung verweigern.

 

Die damit verbundene Dummheit ist dabei erstens, dass man erstens ernsthaft quasi den Staat für sein vermeintlich schlechtes oder übertriebenes Krisenmanagement bestrafen will, indem man die Impfung verweigert.

 

Zweitens, weil man offenbar nicht in der Lage ist, die Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit schwerem Verlauf derjenigen einer Impfung mit einer schweren Komplikation gegenüberzustellen und dabei festzustellen, dass angesichts der bisherigen Impfresultate das Risiko über sämtliche Altersgruppen hinweg eindeutig zugunsten der Impfung ausschlägt. Denn es ist schlicht und ergreifend so, dass Personen, denen das Virus nicht viel anhaben kann, durch die Impfung eben noch weniger gefährdet sind.

 

Die Unbelehrbarkeit wiederum zeigt sich darin, dass die Impfgegner bis heute jede unseriöse Behauptung von angeblich zahlreichen schweren Nebenwirkungen ungeprüft in die Welt tragen und sich offenbar überhaupt nicht darüber wundern, dass die jeweils mit großem Tamtam veröffentlichten "Studien" den tatsächlichen Experten und Insidern nicht einmal einen Kommentar wert sind.

 

Wer ernsthaft annimmt, in anderthalb Millionen Fällen hätten Ärzte gegen die gesetzliche Verpflichtung verstoßen, alle Impfnebenwirkungen bei Corona zu melden, so wie es beispielsweise Harald Matthes behauptet – das Paul-Ehrlich-Institut weise eine um das Vierzigfache zu geringe Erfassung auf –, kann nicht ganz bei Trost sein.

 

Und bei aller sprachlichen Kreativität weiß ich nicht, wie man ein derart krasses Verhalten sanfter formulieren könnte, ohne dem tatsächlichen Sachverhalt wenigstens einigermaßen gerecht zu werden.

 

Wie auch immer, dieses überzeichnete Betonen der Wortwahl, die Angst vor der biblisch so ausführlich und eindringlich gebotenen gegenseitigen Ermahnung sowie das Zurückschrecken vor Konsequenzen gegenüber denjenigen, die Gottes Gebote nachweislich mit Füßen treten, sind neben der immer mehr nachlassenden Bereitschaft, sich intensiv mit Gottes Wort zu beschäftigen und sich weiterzuentwickeln, meines Erachtens die schlimmsten Fallstricke für die heutige Gemeinde. Hier liegt in besonderer Weise das Versagen der eigentlich Vernünftigen und Besonnenen, das gar nicht so neu ist, sich aber seit der Pandemie und nun im Umgang mit dem Krieg in der Ukraine besonders deutlich zeigt.

 

Geht das so weiter und besinnt man sich nicht darauf, dass Klarheit wichtiger ist als oberflächliche Harmonie, nimmt man sich kein Vorbild an Paulus anhand seiner Auseinandersetzung mit Petrus ("Ich widerstand ihm ins Angesicht!" [Galater 2,11]), wird die Gemeinde in den nächsten Jahren, die höchstwahrscheinlich nochmals herausfordernder werden, immer stärker wie eine Flipperkugel zwischen linken, rechten und sonstigen Ideologieströmen  hin- und herwanken, und der Widersacher reibt sich die Hände.

 

(Empfehlung dazu: Marcel Haldenwang, "Wie man dem linken Wokeismus und der Rechtsesoterik gleichermaßen entkommen kann!" https://youtu.be/dTUg-ob54bE)

 

Deshalb wird es höchste Zeit, aus dem Rückblick und der erlebten Negativentwicklung der christlichen Gemeinde die notwendigen Lehren zu ziehen und in neuer, konsequenterer Ausrichtung auf Gottes Wort in die Zukunft zu gehen.

 

Oder man wurschtelt halt in bewährter Weise weiter vor sich hin und rollt wie weiland Sisyphos immer wieder denselben Stein den Berg hinauf und wundert sich, dass dieser immer wieder hinunterrollt. Mit dem Ergebnis, dass man die Klarheit des Wortes Gottes, welches das unabdingbare Fundament für uns Christen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten bilden müsste, immer mehr auf dem Altar der falschen Einmütigkeit opfert.

 

Aufwachen ist angesagt!