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Impfen eine Gewissensfrage?

Christoph Leinweber, 18.12.2021

Impfen eine Gewissensentscheidung – oder wie zwei Seiten die Bibel missbrauchen

 

Zurzeit machen vermehrt Verlautbarungen aus christlichen Kreisen die Runde, wonach die Corona-Impfung eine Gewissensentscheidung jedes Einzelnen sei und vor allem gemäß Römer 14 nicht kritisiert werden dürfe.

 

Nichts könnte weiter von der Wahrheit und dem Sinn dieses Kapitels entfernt sein!

 

Dass dies derzeit wie im Betreff angedeutet gleich von zwei Seiten formuliert wird, liegt daran, dass man sich im christlichen Lager sehr um die Einmütigkeit und den Frieden in den Gemeinden bemüht.

 

Das ist auch richtig so und löblich.

 

Es verkennt meines Erachtens jedoch die Realität und unterschätzt vor allem gnadenlos, was derzeit tatsächlich in diesem Land geschieht.

 

Denn es ist unzweifelhaft so, dass sich eine bestimmte Art Impfgegner eines Tatbestands schuldig machen, den es meines Wissens überhaupt nicht präzise ausformuliert gibt:

 

Es gibt Mord, unter anderem "aus niedrigen Beweggründen".

 

Es gibt Totschlag.

 

Es gibt die sogenannte Tötung auf Verlangen. Also mehr oder weniger Auftragsmord.

 

Es gibt körperliche Verletzung mit Todesfolge und fahrlässige Tötung.

 

Es gibt Totschlag durch Unterlassen – von Hilfeleistung natürlich.

 

Keiner dieser Tatbestände jedoch passt perfekt auf das, was gerade passiert.

 

Wenn ich mich nicht impfen lasse, gehe ich das Risiko ein, dass durch mich – nachdem ich mich infiziert habe, ansteckend bin, meine Virenlast groß genug ist – ein Dritter infiziert wird, erkrankt und stirbt.

 

Wie würde man das also juristisch korrekt nennen?

 

Mögliche Beihilfe zum potenziellen Tod durch Unterlassen?

 

Allein wegen der vielen Konjunktive in dieser Kette ist eine klare Bewertung schwierig. Das ist zumindest juristisch das große Glück der Impfgegner, und es ist auch das große Glück der Bhakdis und Wodargs und der christlichen Prediger gegen Corona!

 

Denn es ist eindeutig und ohne jeden begründeten Zweifel klar, dass sie erhebliche Mitschuld am Ausmaß des Pandemiegeschehens haben, weil ihre unbegründeten und unzutreffenden Verharmlosungen ganz sicher tausende Menschen dazu gebracht haben, sich nicht AHA-konform zu verhalten und / oder jetzt die Impfung zu verweigern. Nur zweifelsfrei nachweisen kann man es ihnen nicht.

 

Und so haben jetzt alle diejenigen, die sich derzeit nicht impfen lassen, ebenfalls Mitschuld an Sterbefällen durch das Coronavirus. Das kann man angesichts der Infektionslage und der Verteilung zwischen Geimpften und Ungeimpften nicht ernsthaft bestreiten.

 

Abseits der Frage nach der juristischen – an dieser Stelle fällt mir immer ein, dass man in diesem Land, soweit ich informiert bin, ungestraft sagen darf, Soldaten seien Mörder (was ich für einen Skandal halte!) – stellt sich aber in erster Linie die nach der moralischen Schuld.

 

Würde man irgendjemanden – wohlgemerkt auch Impfgegner – auf der Straße fragen, ob es ihm etwas ausmachte, eine Mitschuld am Tod eines anderen Menschen zu haben, würden wohl mindestens neunundneunzig Prozent plus ein paar Stellen hinter dem Komma erschrecken und angeben, dass sie das ganz gewiss nicht wollen.

 

Natürlich nicht!

 

Jetzt gibt es aber diese üble Kausalkette, die verdeutlicht, dass es eben möglich ist, dass man sich mitschuldig macht am Tod Dritter, wenn man sich nicht impfen lässt.

 

Wie hoch die Wahrscheinlichkeit und das Risiko dafür sind, ist dabei nicht relevant. Das Virus schert sich nicht um Wahrscheinlichkeiten, sondern agiert nach dem binären Prinzip: null oder eins, schwarz oder weiß, ent- oder weder, infiziert oder nicht.

 

Somit besteht eben eindeutig die Möglichkeit, dass das beschriebene Szenario wahr wird.

 

Was ist jetzt, wenn dieser schlimme Fall konkret eintritt?

 

Was, wenn es jemanden im persönlichen Umfeld erwischt und man an dieser Ansteckung mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit beteiligt war?

 

Will man das?

 

Will man damit leben?

 

Wie lange will man damit leben?

 

Glaubt jemand ernsthaft, man könne damit auf Dauer leben?

 

Ich selbst bin, als ich in den mosaischen Gesetzen nach Stoff für diesen Aufsatz suchte, ganz schön erschrocken und ins Nachdenken gekommen. Denn ich habe vor vielen Jahren etwas getan, für das ich damals getötet worden wäre! Und auch wenn es eine Menge (vermeintlich) guter Gründe und Erklärungen dafür gab und mir diese Tat heute längst vergeben worden ist, geht das seither mit mir.

 

Will man das?

 

Und – falls das alles den Impfgegnern und Coronaleugnern in ihrem verhängnisvollen Stolz weiterhin egal ist – wie geht die Gemeinde damit um?

 

Wie geht man mit Menschen um, die bewusst dieses Risiko in Kauf nehmen?

 

Wie mit denjenigen, die allen Ernstes behaupten, sie stellten nach reiflicher Überlegung keine außergewöhnliche Gefahr für die Mitmenschen dar?

 

An dieser Stelle nochmal die Erinnerung ans binäre Prinzip: Was interessiert es das Virus, ob das Übertragungsrisiko außergewöhnlich ist oder niedrig?

 

Wird diesen Menschen nun gemeinsam mit den wirklich Ängstlichen gemäß Römer 14 pauschal Absolution gewährt?

 

Wird man sich, weil sie sich derzeit so gekonnt als Opfer von Ausgrenzung und Märtyrer gerieren, auf ihre Seite schlagen und dann beispielsweise gegen eine Impfpflicht votieren?

 

Mit derselben Berechtigung könnte doch der berühmte Elternmörder mildernde Umstände fordern, weil er ja Vollwaise sein!

 

Klingt das zu hart?

 

Klingt der ganze Artikel zu hart?

 

Bis gestern habe ich nur geglaubt, dass es nicht zu hart ist, den Menschen, die sich den Vorgaben zur Virusbekämpfung widersetzen und sich jetzt vor allem durch ihre sture Impfverweigerung noch wahrscheinlicher am Tod anderer Menschen mitschuldig machen, genau das vorzuwerfen.

 

Seit gestern sieht es so aus, als würde dieser Glaube möglicherweise zur Gewissheit:

 

https://www.bild.de/regional/hannover/hannover-aktuell/hildesheim-drei-tote-pflegerin-hatte-corona-und-arbeitete-mit-gefaelschtem-impfp-78580376.bild.html

 

An dieser Stelle soll ausdrücklich und in aller Klarheit betont werden, dass hier selbstverständlich die Unschuldsvermutung gilt!!!

 

Aber dieses Beispiel bestätigt eben die Kausalkette, die ich nicht müde werde zu erwähnen, obwohl sie unzählige Male als lächerlich bezeichnet wurde. Denn genauso wie hier beschrieben kann es passieren, und niemand kann ernsthaft in Abrede stellen, dass es vielfach genauso passiert ist!

 

Vielleicht sollte sich darüber jeder nochmal Gedanken machen, der die Impfung bisher mit dem "Argument" verweigert hat, er sehe sich nicht als außergewöhnliche Bedrohung für die anderen, oder die Wahrscheinlichkeit, dass er jemanden gefährde, sei sehr gering.

 

Bei diesem Thema mit Wahrscheinlichkeiten und subjektiven Selbsteinschätzungen zu arbeiten ist purer, menschenverachtender Schwachsinn und nichts anderes!

 

Fassen wir zusammen:

 

Durch menschliche Kontakte breitet sich ein Virus aus, das leicht krankmachen, schwer krankmachen, jeweils schwere Nachwirkungen auslösen und letztlich tödlich sein kann.

 

Durch die Vermeidung dieser Kontakte respektive mit Abstand und Maske kann das Risiko vermindert werden.

 

Durch eine Impfung wird nicht vollständig, aber sehr effektiv vor schweren Verläufen geschützt.

 

Durch eine Impfung wird die Verbreitung nicht vollständig eliminiert, aber gehemmt.

 

Durch das Nachlassen der Wirksamkeit der Impfung sind vor allem vulnerable Menschen derzeit stark gefährdet.

 

Durch einige Geimpfte, aber zu viele Nichtgeimpfte wird das Virus derzeit zu stark verbreitet (zwei Drittel bis drei Viertel laut Studie).

 

https://www.fr.de/wissen/corona-impfung-deutschland-wissenschaft-rki-massnahmen-wirksamkeit-studie-berechnung-91143622.html

 

Somit geht die Mehrheit der aktuellen Todesfälle auf das Konto von Nichtgeimpften.

 

Selbst wenn man die ermittelten Fakten anzweifelt und auf unvorsichtiges Verhalten mancher Geimpfter oder eben die Impfdurchbrüche verweist, bleibt das Problem das gleiche, ja es ist eigentlich noch stärker, denn da, wo an einer Stelle eine Lücke ist, kommt es doch umso mehr darauf an, diese an anderer Stelle zu schließen.

 

Selbst wenn man die Sache generell für harmlos hält, wäre das Impfen auch dann, wenn nur ein einziger aus meinem Umfeld gefährdet wäre, ein glasklarer Akt der Nächstenliebe.

 

Dabei dann auf eine Gewissensentscheidung zu verweisen mit dem Hinweis, man dürfe den gottgegebenen Körper nicht entweihen oder was auch immer, ist schlicht Quatsch.

 

Und wer auch nach noch so viel Aufklärung immer noch Angst vor Langzeitfolgen der Impfung, sollte erstens mal rechnen lernen und das Risiko einer Covid-Erkrankung dem gegenüberstellen.

 

Er sollte sich zweitens nochmal besser kundig machen:

 

https://www.ndr.de/geschichte/chronologie/Pocken-Polio-Corona-Geschichte-des-Impfens-und-seiner-Gegner,impfen446.html

 

Und wenn das nicht reicht, die Angst zu besiegen, dann hätten wir zumindest für Christen, die ihren Glauben ein klein wenig ernstnehmen, noch Römer 8,28:

"Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, ALLE Dinge zum Guten dienen!"