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Fünf Bibelstellen für Corona - KISS

Christoph Leinweber, 27.11.2021

Kiss reloaded - oder wie man einfache Dinge kompliziert macht

 

Das KISS-Prinzip (Keep It Simple Stupid) steht dafür, komplexe Dinge zu vereinfachen oder zumindest vereinfacht rüberzubringen.

 

Derzeit hat man bei manchen Christen den Eindruck, sie wollen dieses Prinzip mit aller Gewalt umkehren, indem sie energisch den Gedankenansatz zurückweisen, die Bibel böte ganz einfache, klare Handlungsanweisungen zum Umgang mit der Coronapandemie.

 

Ich habe ziemlich intensiv darüber nachgedacht, warum einige Christen weder auf bestimmte Stellungnahmen sachlich eingehen, die sich der Frage widmen, was denn die Bibel über die richtige Haltung zu dieser Pandemie sagt, noch sich davon beeindrucken lassen, ja anderen sogar vorwerfen, sie rissen zur Untermauerung ihrer Einstellung Bibelstellen aus dem Zusammenhang.

 

Und das, obwohl man ausdrücklich auf die Kontextualisierung, den Gesamtkontext, den roten Faden durch die Bibel hingewiesen und dies begründet und erklärt hat.

 

Nachstehend noch einmal zusammengefasst die fünf Bibelstellen und –passagen, die für mich gewissermaßen alles regeln, was in diesen Zeiten wichtig ist:

 

01

"Sucht der Stadt Bestes!" (Jeremia 29,7)

 

In eine konkrete historische Situation hineingeschrieben, aber doch unzweifelhaft ein universelles Handlungskonzept für Christen, das uns auffordert, alles dafür zu tun, dass es unserem Nächsten gut geht, oder etwa nicht?

 

02

"Seid der Obrigkeit untertan!" (Römer 13,1)

 

Die klare Aufforderung, den Anweisungen der Regierung zu folgen. Dies kann nur dann entfallen, wenn diese klar erkennbar gegen Gottes Wort arbeitet. Und wo ist das bitteschön der Fall, wenn eine Regierung ausdrücklich für den Schutz des Lebens Kirchen und Freudenhäuser gleichzeitig dichtmacht?

 

03

"Ich aber sage euch: Ihr sollt dem Bösen nicht widerstehen; sondern wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, so biete ihm auch die andere dar; und dem, der mit dir vor Gericht gehen und dein Hemd nehmen will, dem lass auch den Mantel; und wenn dich jemand nötigt, eine Meile weit zu gehen, so geh mit ihm zwei." (Matthäus 5,39-41)

 

Das ist die Kontextualisierung der ersten beiden Punkte: 

 

Erstens Gehorsam auch dann, wenn die Regierung Böses tut – mit der beschriebenen Einschränkung. 

 

Zweitens das Inkaufnehmen von Nachteilen, während man Gottes Gebote hält.

 

04

„Prüft alles, das Gute behaltet!“ (1. Thessalonicher 5,21)

 

Die Aufforderung, jede Nachricht gründlich zu prüfen, die einen ereilt, und nicht etwa bereitwillig unbelegte Behauptungen irgendwelcher YouTube-Experten oder sogar von der Kanzel herab klare Falschaussagen weiterzuplappern. 

 

Oder sich in der aktuellen Situation zu informieren, wie das mit den Impfstoffen wirklich ist.

 

Natürlich auch, die Verlautbarungen derjenigen, die das eigene Weltbild bestätigen, gründlich zu prüfen.

 

05

„Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen (Römer 8,28)!“

 

Die klare Zusicherung, dass man nie tiefer als in Gottes liebende und schützende Hand fiele, sollte man tatsächlich, weil man trotz großer Angst mit dem Impfen einen klaren Akt der Nächstenliebe beginge, einen Schaden davontragen.

 

Was daran ist so schwer zu verstehen? 

 

Kann mir das irgendjemand erklären?

 

Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass man die oben beschriebenen Zusammenhänge in irgendeiner Form wegdiskutieren kann. Vielleicht fehlt mir ja auch die Vorstellungskraft dazu.

 

Ich glaube aber zu wissen, warum es versucht wird. Nämlich aus dem ganz einfachen Grund, dass diese manchem Adressaten eben nicht ins Weltbild passen, von dem er aber nicht lassen will.

 

Und ich glaube fast, dass ich dieses Prinzip gerade besser verstanden habe, als ich über eine eigene Schwäche nachdenke, mit der ich genauso umgehe!

 

Bekanntlich bin ich ja ein Freund rustikaler, lutherischer Rhetorik. Und es ärgert mich massiv, dass in der Gesellschaft, insbesondere jedoch in der Christenheit, im Fall von Meinungsverschiedenheiten und Kritik das Hauptaugenmerk auf dem Wie liegt und nicht auf dem Was. Der Verpackung also eine höhere Wichtigkeit zugebilligt wird als dem Inhalt.

 

Diesem Prinzip folgend ist immer einer empfindlich und beleidigt, weist die Ermahnung zurück, meistens natürlich unter Verweis auf den Splitter und den Balken. Und es ändert sich nichts.

 

Ungefähr so wie wenn ich jemanden anspreche (sehr gut real möglich!): 

 

"Du bist ein Idiot, weil du beim Ausfahren aus dem Kreisverkehr nicht blinkst!"

 

Dann ist der andere beleidigt, weil er als Idiot beschimpft wurde, kommt aber gar nicht auf die Idee, sein idiotisches Blinkverhalten zu ändern.

 

Das führt meines Erachtens dazu, dass Kritik generell immer mehr an die Seite geschoben wird.

 

Es hat meines Erachtens dazu geführt, dass die Gemeindezucht komplett ausgestorben ist.

 

Ich nehme an, nicht jeder wird von diesen Zusammenhängen und Schlussfolgerungen überzeugt sein; ich bin es!

 

Trotzdem setzt jetzt hier meine eigene Schwäche an:

 

Ich habe nämlich festgestellt, dass ich die vorigen Argumente zu einem großen Teil als Strohmann benutze, um zu rechtfertigen, dass ich mich oftmals nicht unter Kontrolle habe und deshalb aus der Emotion heraus extrem scharfe Worte wähle.

 

Unter dem Strich aber verweigere ich mich damit teils nur der Erkenntnis, dass ich dieses Problem mal wirklich in den Griff bekommen sollte, um auch meine Wirkung auf andere zu verbessern. Denn mir ist durchaus klar, dass man mit ruppigen Worten schlecht jemanden überzeugen kann – wobei andererseits auch klar ist, dass man heutzutage mehr oder weniger überhaupt niemanden mehr überzeugen kann (Achtung, nächster Strohmann!).

 

Irgendwie denke ich dabei immer an die Szene aus "Der gezähmte Widerspenstige", als Adriano Celentano die Raben, die das Feld eines Bauern leerfressen, auffordert, sich einen anderen Platz zu suchen, und das dann dem verblüfften Landwirt so erklärt:

 

"Mit Tieren muss man reden, das hat immer irgendeinen Sinn –  es sind schließlich keine Menschen!"

 

https://www.youtube.com/watch?v=HeqrbCXlYQ0

 

Wenn ich das beschriebene Prinzip auf andere und auf die Einstellung zur Pandemie übertrage, glaube ich, hier einen wichtigen Grund für das Verhalten mancher gefunden zu haben.

 

Vorab noch ein Gedanke dahingehend, dass wir möglicherweise alle unterschiedlich gestrickt sind:

 

Ich habe schon immer die Dinge einfach danach beurteilt, ob sie mir richtig oder falsch erschienen. Dabei war ich nie von irgendeiner Ideologie beeinflusst – zumindest nicht bewusst.

 

Dass Letzteres nicht einfach so dahergesagt ist nach dem Motto, man ist nie unbeeinflusst, erkenne ich daran, dass ich bei allen Meinungen, die ich mir bilde, ausnahmslos immer auch die Schwächen darin sehe und es nicht schaffe, diese zu überhören.

 

Beispielsweise habe ich gerade in den letzten beiden Tagen anlässlich zweier Ereignisse festgestellt, dass ich tatsächlich großes Mitgefühl für andere Menschen empfinde. Dafür kann ich nichts, so bin ich auf die Welt gekommen.

 

In der aktuellen Situation bin ich dafür auch dankbar, denn es bedeutet, dass mein vehementes Einstehen für vernünftiges Pandemieverhalten nicht nur auf Rechthaberei basiert.

 

Aber trotzdem gibt es auch hier eine Einschränkung, die noch nicht einmal viel mit Rechthaberei zu tun hat, sondern mehr mit einer ohnmächtigen Verzweiflung darüber, dass ich nicht in der Lage bin, jeden von der aus meiner Sicht richtigen Einschätzung zu überzeugen. Diese Verzweiflung und das unaufhörliche Ankämpfen dagegen war schon immer Teil von mir, also auch in Angelegenheiten, bei denen es nicht um Leben und Tod ging. Jetzt ist das – fast hätte ich gesagt, glücklicherweise – so, es gibt also gute Gründe, für den Lebensschutz zu kämpfen. Aber es gab eben auch die vollkommen nichtigen Anlässe in meinem Leben, bei denen ich genauso abgefahren bin.

 

Und weil das so ist und ich gleichzeitig absolut niemanden auch nur ansatzweise belügen oder täuschen will, achte ich immer sehr akribisch darauf, was ich tatsächlich empfinde, und habe deshalb beispielsweise in meinem Buch Aussagen dahingehend verändert, um nicht so zu tun, als seien meine Motive reiner als Persil ultra.

 

Zurück zum Richtig oder Falsch:

 

Konfrontiert mit Corona, war mir sofort klar, wie ich mich zu verhalten habe, zu den Mitmenschen, zur Obrigkeit. Dazu brauchte ich nicht in die Bibel zu schauen, das war einfach selbstverständlich, in mir verankert.

 

Jetzt könnte man schon die Gabe der Unterscheidung der Geister ins Spiel bringen. Aber das wäre weit übertrieben, denn wie mir ist es doch Millionen von Christen gegangen; die wussten alle sofort, was jetzt dran ist, und handelten danach.

 

Nun ist aber die Frage, warum denn einige andere eben anders gehandelt haben!?

 

Und ich glaube, dass es erstens zunehmend Christen gibt, die aufgrund geistlicher Reife und Bildung diese Zusammenhänge wirklich nicht verstehen – obwohl es quasi die simpelsten christlichen Grundtatbestände sind.

 

Das ist eine Katastrophe!

 

Zweitens jedoch betrifft das ja auch Christen, die nachweislich seit Jahrzehnten Christ sind, Bibellehrer und Verkündiger gar. Die müssen das zwangsläufig kapieren – und ich glaube, sie tun es auch.

 

Warum also verkünden sie etwas völlig anderes?

 

Weil sie vom Ende her denken, und dieses Ende ist irgendeine Agenda, der sie folgen. Und um das rechtfertigen zu können, verdrehen sie die entsprechenden Bibelstellen – absolut abenteuerlich beispielsweise die "Erklärungen" zu Römer 13 – oder werfen genau das demjenigen vor, der ihnen diese unbequemen Wahrheiten vor Augen hält.

 

In meinem (früheren) Job musste ich sogenannte Cost Breakdowns erstellen. Das ist eine detaillierte Aufschlüsselung aller einzelnen Kosten für ein Bauteil, die besonders in der Automobilindustrie sehr stark gefordert wird. Ziel der Autohersteller dabei ist, dem Lieferanten auch noch den letzten Cent aus den Rippen zu leiern. Und damit das nicht passiert, ist es halt meine Aufgabe als Verkäufer, dieses Geld vor dem Kunden zu verstecken.

 

Deshalb fängt man, wenn man diesen Cost Breakdown ausfüllt, quasi von hinten an. Man legt einen Endpreis fest, bei dem man noch gut verdient, und verteilt dann die einzelnen Kosten so, dass es noch irgendwie nachvollziehbar ist, aber mit der Realität letztlich nichts mehr zu tun hat.

 

Daran erinnert mich die Vorgehensweise der christlichen Coronaleugner.

 

Die haben sich für einen Weg entschieden, der da lautet Leugnung, Verharmlosung, darauf aufbauend Opponieren gegen alle Maßnahmen und abschließend gegen die Impfung.

 

Dass das eine Menge mit falschem Stolz zu hat, der dann irgendwann konkret Menschen leben kostet, weil man nicht die Größe zum Zurückrudern hat, ist erstens klar und zweitens tragisch.

 

Aber wenn man sich einmal für dieses Vorgehen entschieden hat, ist es natürlich auch einfach, in einer entsprechenden Auseinandersetzung den Spieß umzudrehen. Einfach die Sache mit dem Splitter und dem Balken erwähnen und dem Gegenüber vorwerfen, er reiße Stellen aus dem Zusammenhang – wobei Letzteres für den Fall, dass ausdrücklich kontextualisiert, erklärt und begründet wurde, schon ein wenig dreist ist.

 

Und wie weit diese Dreistigkeit geht, sieht man gerade aktuell daran, dass einem von ihnen die längst festgezurrte, schwachsinnige (uupps …) Agenda so wichtig ist, dass er jetzt quasi Heilungsseminare für Christen anleiern will, die sich haben impfen lassen.

 

Und das wiederum bedeutet, man kann dazu endlos Aufsätze verfassen und die Motive dieser Leute durch sämtliche Ausziehschubladen der Küchenpsychologie jagen, ändern wird sich trotzdem nichts! Das geht nur noch mit Gewalt, frei nach Frank-Ulrich Montgomery:

 

"Zuckerbrot haben wir probiert, jetzt ist Zeit für die Peitsche.“

 

Und da Peitsche eine Großcousine der Geißel ist, sind wir jetzt bei der Tempelräumung angelangt und können überlegen, was uns das wohl zu sagen hat …